Immer wieder morgens, sonntags, alltags und überhaupt …

Wenn es sich um Zeitangaben dreht, fängt bei vielen das Kopfzerbrechen an: groß oder klein?

Das hängt natürlich von der Wortart ab. Wortart – och nö.

Aber keine Sorge. In diesem Fall kann man sich die Groß- und Kleinschreibung auch anders merken 😉

Klar ist, dass der Morgen, der Abend und die Nacht, der Montag, der Sonntag und der Alltag großgeschrieben werden – da steht ja auch ein Artikel davor.

Wenn wir aber ausdrücken wollen, dass etwas immer am Morgen oder in jeder Nacht, grundsätzlich am Sonntag oder immer wieder im Alltag passiert oder passieren soll, dann verwenden wir dafür andere Wörter: Wir sprechen dann nämlich von morgens, nachts, sonntags und alltags.

In diesem kleinen, unscheinbaren, angehängten „s“ steckt also eine ganze Menge Bedeutung:

„Wenn ich morgens aufstehe, brauche ich als erstes einen Kaffee.“ (= „An jedem Morgen, wenn ich aufstehe, brauche ich …“)

„Ich stehe alltags um 7 Uhr auf.“ (= „Im Alltag stehe ich grundsätzlich um 7 Uhr auf.“)

„Der Kiosk ist sonntags geschlossen“ (= „Der Kiosk ist am Sonntag immer geschlossen“)

Naja, und ganz nebenbei ändern wir mit diesem „s“ auch die Wortart: aus dem Substantiv wird ein Adverb. Das muss man nicht unbedingt wissen. Aber dass diese Adverbien, diese Zeitangaben mit dem „s“ hinten dran und der Bedeutung immer/grundsätzlich, kleingeschrieben werden – das ist ganz gut zu wissen 😉

Achtung: Wenn wir von einem „Sonntagsessen“ oder einer „Alltagsgeschichte“ sprechen, dann hat das „s“ eine andere Bedeutung. In solchen Zusammensetzungen wird wieder großgeschrieben. Die Kleinschreibung bezieht sich wirklich nur auf die Einzelwörter mit der Bedeutung immer/grundsätzlich.

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„Wörter“ oder „Worte“?

Wie lautet der Plural von „Wort“? Eine gute Frage, denn es gibt zwei Pluralformen und die sind auch beide richtig: Wörter und Worte.

Aber – und darum geht es hier – diese beiden Pluralformen haben eine unterschiedliche Bedeutung!

Fangen wir mit den Wörtern an.

Wörter

Wenn wir von „Wörtern“ sprechen, heißt das, wir sprechen von vielen einzelnen, zählbaren Wörtern. Es handelt sich hierbei tatsächlich um die Pluralbildung: ein Wort und drei, zwanzig oder auch einfach viele Wörter.

Gemeint sind damit also mehr als eins von diesen Buchstabengebilden, die wir beim Schreiben durch Leerzeichen voneinander trennen. Worum es bei diesen Wörtern geht, ob sie zusammengehören und zusammen einen Sinn ergeben, ist völlig egal. Es wir nur auf die Menge geschaut: mehr als ein Wort = Wörter.

Okay. Und was bedeutet nun die Pluralform „Worte“?

Worte

Man ahnt es vielleicht schon: Mit „Worten“ ist immer etwas Zusammenhängendes gemeint, etwas, das als Gesamtheit betrachtet wird und inhaltlich zusammengehört:

„seine letzten Worte“ – Gemeint sind damit nicht die einzelnen Wörter, die er gesagt hat, sondern das, was er damit ausgedrückt hat.

„die Begrüßungsworte des Bürgermeisters“ – Auch hier sind nicht die einzelnen Wörter gemeint, die der Bürgermeister nacheinander ausspricht, sondern es handelt sich um seine Ansprache zur Begrüßung.

Da es also um etwas Inhaltliches geht, wird „Worte“ auch im übertragenen Sinn gebraucht:

„Sie macht immer viele Worte.“ – Gemeint ist, dass sie immer sehr viel und ausschweifend redet.

„Er macht immer schöne Worte.“ – Und hier wird ausgedrückt, dass er andere gerne umschmeichelt.

„Erklär mir das mal mit wenigen Worten.“ – Hier soll die Erklärung kurz und knapp gehalten werden.

„Mit anderen Worten …“ – Und hier wird etwas anders ausgedrückt, das dabei aber natürlich den gleichen Sinn behält.

Auch bei Begriffen wie „geflügelte Worte“, „goldene Worte“, „heilende Worte“ usw. geht es nicht um die einzelnen, ausgesprochenen oder geschriebenen Wörter, sondern um die gesamte Äußerung und das, was damit gemeint ist. Daher: „Worte“.